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Weitere Gedanken nach Ostern

Jesus lebt ohne Ostern

Liebe Leserinnen und Leser!

Gestern hatte ich eine mögliche Fortsetzung der Erzählung von meinen Osterspaziergang angekündigt. Hier kommt sie:

Auf meinem weiteren Weg konnte ich eine Kreideaufschrift auf dem Bürgersteig unmöglich übersehen: „Jesus lebt ohne Ostern!“

Was soll denn das, dachte ich.

Dass Jesus gelebt hat, ist für mich selbstverständlich. Aber Ostern gab es zu seinen Lebzeiten noch nicht.

Daran, dass er von den Toten auferstanden ist, dass er heute und in Ewigkeit lebt, das glaube ich. Dass das Tag seiner Auferstehung für ihn ein Festtag ist, dass er für ihn mindestens so wichtig ist wie für uns unser Geburtstag, das steht zwar nicht in der Bibel. Trotzdem kann es mir nicht anders vorstellen.

Deshalb lebt der Auferstandende für mich, aber nicht ohne, sondern mit Ostern.

Was haben die Kinder (oder möglicherweise waren es auch Erwachsene) sich bloß bei diesem Spruch gedacht?

Ohne dass ich eine Antwort auf meine Frage gefunden hatte, war inzwischen einige hundert Meter weitergegangen – und stieß auf die nächste Kreideschrift: „Jesus ist auferstanden!“

Dem konnte ich ohne Weiteres zustimmen.

Ich hing gedanklich immer noch an der ersten Aussage.

Wieder einige hundert Meter weiter die nächste Aufschrift: „Jesus liebt dich“ mit Herzchen und Ausrufezeichen.

Alle drei hatte offensichtlich der- oder dieselbe geschrieben.

Allmählich wurde mir deutlich, diese Worte stammten keineswegs von einem Verächter des Christentums, ganz im Gegenteil: Da wollte jemand Menschen für die Botschaft Jesu Christi begeistern und stellte mich dadurch vor die Frage, was eigentlich unter Ostern zu verstehen ist.

  • Besuche bei Oma und Opa,
  • Kaffeetrinken in großer Runde an einem schön gedeckten Tisch,
  • Kinder, die Ostereier suchen,
  • junge und alte Männer, die ein Osterfeier anzünden, mit Freunden und Bekannten in die Flammen schauen und dabei durchaus auch mal ein Kaltgetränk zu sich nehmen,
  • auch gut besuchte Ostergottesdienste,
  • Osternachtsfeiern, die in dunkler Nacht beginnen und in denen dann das Osterlicht von Hand zu Hand weitergeben wird,
  • Andachten auf dem Friedhof mit Posaunenchören,
  • Festgottesdienste mit Chorgesang und feierlicher Orgelmusik.

All das, was Menschen am 1. und 2. Ostertag normalerweise machen, gerne machen.

All das, was in diesem Jahr zum größten Teil ausgefallen ist, leider ausfallen musste, um Menschenleben zu retten.

Aber ist das, was viele in diesem Jahr so vermisst haben, wirklich Ostern?

Machen wir Menschen Ostern?

 

Für mich ist Gott derjenige, der Ostern handelt.

Unser Vater im Himmel hat den Gekreuzigten vor fast 2000 Jahren von den Toten auferweckt.

Das konnte die römische Besatzungsmacht damals genauso wenig verhindern wie kleiner, schrecklich ansteckender Virus heutzutage.

Gott macht Ostern, nicht wir Menschen.

Wir Menschen feiern das Tun Gottes.

Und dieses Feiern kann in ungewöhnlichen Zeiten durchaus mal ganz anders aussehen als sonst.

Wir leben.

Und wer lebt, der ist in der Lage, sich veränderten Bedingungen anzupassen.

 

Wenn ich Ostern nicht so feiern kann wir sonst, dann feiere ich halt mal ganz anders:

  • Ich kann telefonieren.
  • Ich kann sogar skypen und dabei auf dem Bildschirm meinem Gesprächspartner in die Augen sehen.
  • Meine Kinder zusammen spielen „Stadt, Land, Fluss …“; zwei sitzen in Brackwede, die dritte in Ulm; die moderne Technik macht es möglich.
  • Meine Mutter bekommt so viele Anrufe zu Ostern, dass ich, nachdem ich 3 Sätze mit ihr gesprochen habe, lieber auflege und sage: „Ich rufe morgen nach mal an.“; am Handy wartete nämlich schon das älteste Enkelkind mit dem ersten Urenkel auf sie.

 

Vielleicht ist für andere Ostern ausgefallen.

Für uns Christinnen und Christen kann Ostern gar nicht ausfallen, denn wir wissen, dass Gott es Ostern werden lässt, nicht wir Menschen.

 

Vielleicht wäre es besser gewesen, auf dem Bürgersteig hätte mit Kreide geschrieben gestanden:

„Es ist Ostern. Jesus lebt, auch wenn wir nicht wie gewohnt Ostern feiern können.“

Das hätte ich besser verstanden.

Aber es wäre viel zu lang gewesen, um es gut lesbar auf den Bürgersteig zu schreiben.

 

So dauerte es 15 Minuten, bis die Botschaft bei mir ankam.

Aber kürzer sind meine Predigten meist auch nicht; ob dabei mehr bei den Leuten ankommt, weiß ich nicht.

 

Ich grüße alle (auch die Verantwortlichen der Kreidebotschaften) mit dem altchristlichen Ostergruß:

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Ulrich Meyer-Gieselmann, Pfarrer

K  
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