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Gedanken in einer verrückten Zeit

6 Tage sollst du arbeiten

Mit diesen Worten wird im Alten Testament das 3. Gebot, das Feiertagsgebot, erläutert.

„Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.“ (2. Mose 20, 8 -10)

In dieser verrückten Zeit: bekommen diese Worte auf einmal einem ganz anderen Klang.

Manch einer denkt dabei wohl: „Wenn ich doch endlich wieder arbeiten dürfte. Es müssen ja nicht gleich 6 Tage in der Woche sein; mit fünfen wie vor einem Monat wäre ich ja schon zufrieden. Nur nicht mehr immer nur zuhause rumsitzen. Was soll ich denn tun, wenn ich noch nicht einmal in Urlaub fahren darf, Essen gehen oder ins Fußballstadion.“

Jeden Tag so gestalten zu müssen, wie die Bibel den siebten Tag beschriebt, ist wahrlich kein Vergnügen. Der Volksmund sagt: „Nicht ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Ich frage: „Was soll an solchen Tagen gut sein, wenn es so schwer zu ertragen ist?“

Die Bibel geht sogar noch viel weiter: „Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und seine Früchte einsammeln. Aber im siebenten Jahr sollst du es ruhen und brach liegen lassen, dass die Armen unter deinem Volk davon essen; und was übrig bleibt, mag das Wild auf dem Felde fressen. Ebenso sollst du es halten mit deinem Weinberg und deinen Ölbäumen.“ 2 Mose 23, 10-11)

„Ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt eine Freilassung ausrufen im Lande für alle, die darin wohnen; es soll ein Erlassjahr für euch sein. Da soll ein jeder bei euch wieder zu seinem Besitz und zu seiner Sippe kommen .“ (3. Mose 15, 10)

Wo kämen wir denn hin, wenn wir das umsetzen wollten.

Nach fünfzig Jahren alle Schulden zu erlassen, undenkbar.

Jedes 7. Jahr die Arbeit ruhen zu lassen, nicht nur Bauern, sondern auch Handwerker und Industriearbeiter und all die Menschen, die heutzutage in Büros arbeiten, wie soll denn das gehen?

Wir tun uns ja schon schwer genug damit, an Sonntagen nicht die Geschäfte zu öffnen und die Produktionsbänder in Fabriken still stehen zu lassen.

In der Corona-Pandemie jetzt eine Strafe Gottes zu sehen, das halte ich für unerträglich, auch theologisch.

Trotzdem stellt sich mir die Frage: Wären wir auf diese verrückte Zeit vielleicht besser vorbereitet gewesen, wenn Gottes Gebot etwas ernster genommen hätten, das Gebot, die Arbeit auch mal ruhen zu lassen?

Auf was für Gedanken ein Pastor so alles kommt, wenn niemand sein Kind taufen lassen will, wenn Brautpaare ihre Hochzeit verschieben, wenn es eher weniger Trauerfeiern gibt als sonst und wenn er die Gottesdienste sonntags als Zuschauer im Wohnzimmer feiert.

Gestern hatte ich keinen Termin im Kalender. „Da kannst du endlich mal aufräumen“, dachte ich.

Und dann fiel mir etliches in die Hände, das liegen geblieben war. Dinge, die mir zu schade waren, um sie wegzuwerfen, die aber doch nur noch rumlagen und zustaubten.

Sie können sich vorstellen, was dann geschah: Ich habe mich verzettelt. Abends hatte ich – das war zumindest mein Gefühl – kaum etwas geschafft und war ziemlich unzufrieden.

Ich bin dann mit dem Gedanken eingeschlafen: „Morgen früh schreibst auch wieder Gedanken in dieser Zeit auf und stellst es auf die Homepage, egal, wie viele das lesen.

Selbst wenn du der einzige bist, das ist gut und tut dir gut.“

Aber vielleicht hilft es ja doch dem einen oder der anderen.

 

Ich wünsche Ihnen eine guten Tag.

Bleiben Sie besonnen.

Und seien Sie behütet.

 

Ulrich Meyer-Gieselmann, Pfarrer

K  
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