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Beim Händewaschen das Vater-Unser beten

Mehrfach bin ich gestern auf den Vorschlag gestoßen, beim Händewaschen ein Lied zu singen oder das Vaterunser zu sprechen; dann wüsste man, wie viel Zeit für eine gründliche Reinigung der Hände erforderlich ist.

Eine gute Idee, fand ich. Der Redewendung „Not lehrt beten!“ ist ja schon länger bekannt. Und als Pfarrer freue ich mich natürlich, wenn Menschen im Gespräch mit Gott bleiben oder auch es auch zum ersten Mal oder mal wieder versuchen. Trotzdem: Am liebsten wäre es mir, wenn die Not bald zu Ende wäre und möglichst alle sie gut überstanden hätten.

Was aber nützt die beste Idee, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt wird?

Ich habe das dann gestern Abend vor dem Schlafengehen versucht. Ich wasche mir in diesen Tagen gründlicher und öfter als sonst die Hände. Auch das Vaterunser bete ich fast jeden Tag mehrfach.

Also: Wasser über die Hände laufen lassen, auf den Seifenspender drücken, die Seife verteilen, dass es ordentlich schäumt, „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, …“, bloß nicht die Daumen vergessen – und die Zwischenräume zwischen den Fingern. Wo war ich stehen geblieben beim Beten? Ich weiß es nicht mehr. Egal, fange ich halt noch mal von vorne an. „Vater uns im Himmel …“. Man soll auch die Handgelenke mit waschen.

So ging es weiter. Irgendwann war ich fertig, legte mich ins Bett, kam aber nicht gleich zur Ruhe. Hatte ich auch die Fingernägel sorgfältig gereinigt? War ich beim Vaterunser wenigstens einmal bis Ende gekommen?

Ein alt bekannter Witz fiel mir ein:
Ein junger Mönch fragte seinen Abt: „Darf ich beim Beten rauchen?“
Die Antwort: „Nein!“
Kurz darauf traf der Mönch einen alten Mönch, der beim Beten genüsslich Pfeife rauchte.
„Man soll nicht beim Beten rauchen, hat der Abt gesagt“, schimpfte er.
Der alte Mönch antwortete: „Wieso? Ich habe den Abt gefragt, ob ich beim Rauchen beten darf - und er hat es erlaubt.“

Was fürs Rauchen gilt – sicher eine schlechte Angewohnheit – , gilt erst recht fürs Händewaschen – besonders in dieser Zeit eine sehr sinnvolle Tätigkeit. Selbstverständlich darf ein guter Christ auch beim Händewaschen beten.

Aber in einer Zeit, in der viele nicht wissen, was sie tun sollen, und andere von Entschleunigung reden, können wir es uns da nicht leisten, erst das eine zu tun und dann das andere.

Beten und Händewaschen ist in dieser Zeit wichtig. Es ist gut, wenn wir beides mit großer Aufmerksamkeit tun. Ein über 60 Jahre alter Pfarrer sollte doch wohl in der Lage sein, sich die Hände zu waschen und das Vater unser zu beten. Das kann ich auch – und merke doch, ich muss es jeden Tag wieder neu üben.

Mit dem Gedanken „Manchmal antwortet Gott doch erstaunlich schnell auf unsere Gebete – auch wenn es noch so ein Gestammel ist.“ bin ich dann ruhig eingeschlafen.

Heute Morgen konnte ich dann ganz schnell ein Wort zum Tag schreiben. Ich wollte dies Erleben einfach mit Ihnen / Euch teilen.

Allen einen guten Tag - mit genug Zeit zum Arbeiten und zum Beten – und danach dann eine ruhige und erholsame Nacht.

 

Ulrich Meyer-Gieselmann

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