Logo

Gemeindebüro

Kirchweg 10
33647 Bielefeld

Telefon
0521 94238-0
E-Mail
info*kirchengemeinde-brackwede.de

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 9-12 Uhr
Do 14:30-17:30 Uhr

Bitte benutzen Sie alle E-Mail-Adressen auf dieser Homepage mit dem Zeichen @ statt *.

Impressum

Datenschutz


Seitenübersicht

Unser Superintendent hat u.a. den Pfarrer*innen seines Kirchenkreises einen Ostergruß geschickt.

In klaren, nicht nur für Theolog*innen nachvollziehbaren Worten legt er das Evangelium des 2. Ostertages aus.

Dabei geht er von einem Bild aus: "Goldener Himmel über unseren Wegen" von Christel Holl (© Beuroner Kunstverlag).

Es zeigt 3 Personen mit hochgezogenen Schiltern von hinten in lange Mäntel gehüllt.

 

Den Gruß des Superintendenten möchten wir nicht für uns behalten. Dafür wäre er viel zu schade.

Deshalb teilen wir ihn hier mit Ihnen:

 

Der "Corona-Blick" schränkt unsere Sichtweise ein.

Was sehen wir auf dem Titelbild?

Drei Personen auf einem Spaziergang? Dürfen die das denn?

Es gilt doch Kontaktsperre! Leben die in einem Haushalt?

Abstand halten! Sind drei Erwachsene eine Familie?

Unser "Corona-Blick" verändert unsere Sichtweise.


Das Bild zeigt einen besonderen Osterspaziergang, von dem im Lukas- Evangelium (Kap. 24) erzählt wird: Zwei Jünger auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus.

Zwei Männer laufen in den Abend hinein. Die beiden gehen ihren Weg voller Traurigkeit. Sie spüren noch nichts von der Osterfreude.

Jesus, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt haben, ist tot. Gekreuzigt.

Das, was es vorher als gemeinsames Leben gab, ist nun vorbei.

Mit Jesus sind auch ihre Hoffnungen begraben.

Deswegen gehen sie zurück an den Ort, aus dem sie gekommen sind.

Zurück, weil sie nichts sehen, was ihnen einen Weg in die Zukunft balmt.

Ausgeträumt sind ihre Träume: von einer besseren Welt, von einer Zeit, in der die Liebe regiert und Menschen sich einander freundlich und solidarisch begegnen. Der Traum von einer Gesellschaft, in der Friede und Gerechtigkeit herrschen.

Da sind zwei gebrochene, vom Leben enttäuschte Menschen auf dem Weg nach Emmaus. Die Jünger waren voller Angst und Sorge.


Das erste Ostern war kein Spaziergang, sondern ein Weg ins Ungewisse.


Etwas hat die beiden noch zusätzlich verunsichert. Das ist das Gerede von Frauen, die sich morgens in aller Frühe an das Grab J esu herangewagt hatten. Die hatten das Grab leer gefunden und von einer Engelerscheinung berichtet. Wahrscheinlich nichts weiter als dummes Geschwätz und Hirngespinst, so denken die beiden wohl. .Fake News" würden wir heute sagen. Nein, die Jünger wollen sich nicht ein weiteres Mal trügerischen Hoffnungen hingeben.


So gehen sie also - mit schwerem Herzen und trüben Gedanken. Bald merken sie, dass sich noch ein Dritter zu ihnen gesellt hat.

Es begegnet ihnen Jesus, der Auferstandene.

Sie erkennen ihn aber nicht und halten ihn für einen Fremden.

Aber er wirkt irgendwie Vertrauen erweckend. Oft ist es leichter, einem Fremden das zu erzählen, was einen beschäftigt.


Jesus lässt sich von ihnen die ganze Geschichte noch einmal erzählen.

Vom Einzug Jesu in Jerusalem, von den gemeinsamen Wegen, dem Essen in der Gemeinschaft, dem Verrat und dem Abschied.

Die bittere Karfreitagsgeschichte. Der Schmerz und die Wut.

All die enttäuschten Hoffnungen.

Es tut gut, sich mal alles von der Seele .reden zu können.

Und der Fremde hört aufmerksam zu, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen.


Sie erkennen Jesu selbst dann noch nicht, als er ihnen die Schrift auslegt.

Sie spüren nur, dass ihr Herz schneller schlägt, ja brennt.

Sie spüren, dass sie in ihrer Trauer nicht allein sind.

Nein, sie möchten den Fremden noch nicht gehen lassen.

"Bleibe bei uns, denn es will Abend werden."

Jesus schlägt die Bitte nicht ab. Er bleibt.

So kommen sie in Emmaus an.

Er folgt ihnen ins Haus und bricht das Brot für sie.

Und in dem Moment wird es ihnen klar, dieser Fremde ist mehr als eine Reisebekanntschaft, sie erkennen, wen sie vor Augen haben, wer da mit ihnen unerkannt unterwegs war.


Geheimnisvoll ist diese Geschichte aus dem Lukasevangelium. Aber: Können wir uns dem Geheimnis von Ostern wohl besser nähern als auf diese Weise? Die Auferstehung Jesu selbst entzieht sich unserem Verstehen - und entsprechend wird sie im Neuen Testament auch an keiner Stelle beschrieben.

Erzählt wird nur, welche Folgen sie hatte und wie sie die Menschen verändert hat.


Mich beeindruckt die Erzählung der Emmaus-Jünger immer wieder, weil darin die Glaubens- und Lebenserfahrung von Christinnen und Christen gut zum Ausdruck kommen.

Aus der Emmausgeschichte dürfen wir lernen: Der Auferstandene ist an unserer Seite. Gerade da, wo wir am allerwenigsten mit ihm rechnen, kann er uns begegnen. Gut möglich, dass wir ihn nicht sofort erkennen. Aber er ist da.


An Ostern 2020 lese ich die Geschichte mit dem "Corona-Blick".

Was da in Emmaus am Ende des Tages geschieht, ist ein Gottesdienst.

Der Gottesdienst findet nicht statt in der Kirche, sondern im Alltag unseres Lebens. Der Auferstandene ist gegenwärtig bei den Menschen in Not und Sorge.


Das kann uns trösten, wenn wir in diesem Jahr in den Gemeinden keine Ostergottesdienste feiern können.

Wenn wir "soziale Distanz" halten, um so die Nächsten zu schützen.


Ostern 2020 wird im übertragenen Sinne kein Spaziergang, sondern eine große, gesellschaftliche (auch wirtschaftliche) Herausforderung. Eine Krise, von der wir nicht wissen, wie sie unser Land, unsere Welt verändert.


"Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln." Dieser Satz stammt von dem Theologen Dietrich Bonhoeffer, der vor 75 Jahren, am 9. April 1945, kurz nach Ostern, im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet wurde. "Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt." Auf dieses Wort Jesu aus dem Johannesevangelium (11,25) hat Bonhoeffer auch im tiefsten Dunkel vertraut.


Das kann uns in ganz anderen Zeiten nur ermutigen, die Frohe Botschaft von der Auferstehung weiter zu tragen.

Und vielleicht haben wir Mut und sprechen auf unseren Osterspaziergängen - auf Abstand - einander den alten Ostergruß zu:

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!


Das - zunächst vielleicht unbemerkt - etwas spürbar wird von der Kraft der Auferstehung, das wünsche ich uns an diesem Osterfest:

Beim Fernsehgottesdienst auf dem Sofa, vielleicht alleine oder beim Skypen mit den Enkelkindern, beim Spaziergang zu zweit in der Nachbarschaft, in der Pflege in den Seniorenheimen, in den Krankenhäusern und Intensivstationen.


Pfarrer Frank Schneider, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Gütersloh

K  
Besucher heute: 1 / 1387