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Gedanken vor dem ersten Sonntag nach Ostern – Quasimodogeniti

Die Kirche wieder öffnen

In Deutschland zeigen die drastischen Ausgangsbeschränkungen Wirkung.

Die Zahl der Ansteckungen steigt längst nicht mehr so schnell wie befürchtet.

Die Regierung hält die Krise in Deutschland für beherrschbar.

Überall wird inzwischen über Lockerungen gesprochen.

Und die werden wohl auch kommen – in der nächsten Woche.

 

Ich habe mich morgen früh mit meinem Kollegen verabredet.

Wir wollen uns vom Läuten der Glocken um 9.30 Uhr zum Gebet einladen lassen

und anschließend wie üblich auf den Wochenspruch hören:

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1. Petrus 1,3)

Ein Gottesdienst, wie wir ihn uns sehnlichst bald wieder wünschen, wird das sicher nicht werden – ohne Gemeinde, ohne Kirchenmusiker*in, ohne Küsterin, nur wir 2.

Ähnlich habe ich es auch schon am 1. Ostertag gemacht – allerdings ohne meinen Kollegen.

Damals verirrte sich eine einzelne Frau in die Kirche; ich hatte die Tür offen gelassen.

Sie nahm sich meine Gedanken zu Ostern mit, die ich zufällig ausgedruckt auf den Gesangbuchwagen am Eingang gelegt hatte, und ging ihres Weges.

Ich konnte mir dann noch den Gottesdienst im Fernsehen anschauen.

 

Einige Gemeindeglieder bedrängen mich seit etlichen Tagen, wir müssten doch die Kirche öffnen.

Ich habe immer gezögert.

Aber vielleicht haben sie sich ja am Ostermorgen an der Kirche getroffen.

Gehört habe ich davon nichts.

Einige Frauen, vielleicht vier, die sich zufällig am Morgen beim Spaziergang in der Nähe der Kirche über den Weg laufen, das ist auch nicht der Rede wert.

 

Morgen, am ersten Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti, wollen mein Kollege und ich uns nach dem Motto treffen:

„Jesus Christus spricht: Wo 2 oder 3 in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20)

Selbst wenn ich im Internet schon am Tag zuvor davon schreibe, werden sicher nicht die Massen in die Kirche strömen;
schließlich lesen das nur einige wenige.

Mehr als 8 werden das sicher nicht werden.

Notfalls müssten wir sonst die Tür schließen.

 

Und nächste Woche, am 2. Sonntag nach Ostern, Miserikordias Domini, dann sollen ja schon die ersten Lockerungen greifen.

Zu Trauerfeiern dürfen schon jetzt fünfzehn Leute kommen – ohne den Pastor, sonst sind es 16.

Ein Treffen mit 16 Leuten in der Kirche, das wäre doch wohl kein richtiger Gottesdienst, eher eine Trauerfeier.

Oder?

 

Anfang Mai soll es dann auch die ersten Lockerungen für Gottesdienste geben.

Am 3. Mai, dem 3. Sonntag nach Ostern, Jubilate, sollte eigentlich die erste Konfirmation mit Pfarrer Stucke in unserer Kirche stattfinden.

Die haben wir glücklicherweise schon auf Ende Oktober verschoben.

Aber ein ganz kleiner Gottesdienst mit etwa 32 Beteiligten, der wird dann hoffentlich schon wieder möglich sein – wenn alle weiter sehr vorsichtig sind.

 

Am 10. Mai, dem 4 Sonntag nach Ostern, Kantate könnten es dann schon 64 werden.

Gott sei Dank sind einige Frauen in unserer Gemeinde (warum eigentlich nur Frauen?) schon anfangen, Mund-Nase-Schutzmasken zu nähen.

Die werden wir dann wohl brauchen.

Wie sich da wohl der Gemeindegesang anhören wird?

 

Der 5. Sonntag nach Ostern heißt Rogate; das bedeutet: Betet.

Beten ist auch mit Mundschutz ohne weiteres möglich, selbst wenn 128 Christinnen und Christen in unserer großen Kirche zusammenkommen.

Wir könnten ja auch die Emporen mit nutzen und so Abstand halten.

 

Dann kommt Himmelfahrt. 256 Gottesdienstbesucher, das wären mehr als in den Vorjahren.

Aber wir könnten ja auf den Kirchplatz ausweichen.

Der Bläserkreis würde sicher gerne mal wieder zum Einsatz kommen.

Ein Open-Air-Gottesdienst auf einem größeren Platz, das ist sicher weniger problematisch als einer in einem geschlossenen Raum.

 

Am Sonntag darauf, am Sonntag nach Ostern wäre dann, sie ahnen es schon, mit 512 Gottesdienstbesuchern zu rechnen.

Möglicherweise denken Sie jetzt, was für ein Träumer.

Wer rechnet denn mit so einer Zahl, ein Gottesdienst besucht wie sonst nur am Heiligen Abend.

Aber genau das ist es, womit Mathematiker rechnen, wenn sie von exponentiellem Wachstum sprechen.

Selbst wer in der Schule nicht gut aufgepasst hat, sollte das nachvollziehen können.

Also mache ich weiter.

 

Dann kommt Pfingsten, am 31. Mai.

1024 Leute in unserer Kirche, das würde extrem eng.

Die Menschen müssten eng beieinander in den Bänken und auf den Stühlen sitzen.

Trotzdem müssten noch viele stehen.

Das wäre auch in normalen Zeiten kaum zu verantworten.

Aber glücklicherweise gibt es ja noch einen 2. Pfingsttag.

Wofür der eigentlich noch gut ist, wurden in letzter Zeit gelegentlich gefragt.

Wenn wirklich 1024 Menschen die Kirche besuchen wollten, wäre es sicher eine gute Idee, sie würden sich auf 2 Gottesdienste an 2 Tagen verteilen.

Das wäre dann wirklich ein Pfingstwunder, fast so ein Wunder, wie es in der Pfingstgeschichte in der Bibel (Apg. 2) beschrieben wird.

 

Ob es wirklich so kommen wird?

Ich wage es nicht zu hoffen.

Aber man darf doch wohl mal träumen.

Oder?

 

Gott sei Dank haben wir Fachleute und kluge Politiker*innen, die sich immer wieder neu orientieren und besonnen nach bestem Wissen und Gewissen hoffentlich gute Entscheidungen treffen.

 

Und doch will ich schon mal einen kleinen Anfang machen.

An meinem Plan, mich am morgigen Sonntag um 9.30 Uhr kurz mit meinem Kollegen in der Kirche zu treffen, möchte ich festhalten.

Ich rechne damit, dass ich pünktlich um 10.15 Uhr wieder zuhause sein werde, um die Übertragung des evangelischen Gottesdienstes im WDR-Fernsehen aus der Kirche St. Nicolai in Lemgo miterleben zu können.

Dann werden wir schon morgen in einer großer Gemeinschaft feiern können, mit viel viel mehr Menschen als nur 2048.

 

Bleiben Sie hoffnungsvoll.

Es segne und behüte euch Gott, der barmherzige und allmächtige.

Ulrich Meyer-Gieselmann, Pfarrer

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